Dolmetschen in der Corona-Krise: Geht das?

Aufgrund der Corona-Krise ist das öffentliche Leben stark eingeschränkt worden. Es wurden Ausgangsbeschränkungen, in manchen Ländern sogar Ausgangssperren, Kontaktverbote und Versammlungsverbote verhängt, und zahlreiche Veranstaltungen wie Festivals, Messen, Kongresse, Konferenzen und politische Sitzungen wurden abgesagt oder bis auf Weiteres verschoben. An den Grenzen der jeweiligen Länder wird wieder stark kontrolliert, und es gelten strikte Einreiseverbote für Menschen, welch nicht deren Staatsbürger sind. Alle Bereiche sind davon betroffen – Politik, Wirtschaft, Transport, Tourismus, Industrie, Hotellerie, etc. Dazu gehören auch Dolmetscher und Übersetzer. Letztere können, mit gewissen Einschränkungen, mehr oder weniger problemlos von zuhause arbeiten. Wie sieht es aber bei den Dolmetschern aus, die nicht mehr vor Ort persönlich zu Aufträgen bestellt werden?

Corona-Krise

Heutzutage ist die Technologie glücklicherweise fortschrittlich genug, dass Gespräche, Diskussionen und Verhandlungen über das Internet geführt werden können, wie zum Beispiel über den Video-Chat-Anbieter Skype, oder einfach über das Telefon, mittels Konferenzgespräch. Dies hat jedoch nicht nur Vorteile, sondern hängt auch mit einigen technischen Schwierigkeiten zusammen.

Einerseits müssen sich weder der Dolmetscher noch die Gesprächspartner von ihrem Arbeitsort oder von zuhause zu einem anderen Ort begeben. Dies spart Zeit und Kosten für alle Beteiligten. Die Personen müssen sich lediglich gegebenenfalls bei einem dieser Videochat-Dienste anmelden und einen Zeitpunkt für das Gespräch vereinbaren.

Remote arbeiten in der Corona-Krise

Andererseits können auch technische Schwierigkeiten auftreten. Was ist zum Beispiel, wenn man bereits ein Konto, zum Beispiel bei Skype, besitzt, aber sein Passwort vergessen hat, weil man das Programm lange nicht benützt hat? Man muss das Passwort zurücksetzen oder sich eventuell neu anmelden, wobei man sich möglicherweise in irgendeiner Art und Weise identifizieren muss, um Zugriff auf den Dienst zu erhalten. Das kann ebenfalls zeitaufwendig sein.

Gleichermaßen kann es vorkommen, dass sich manche Personen mit dieser Art von Programmen nicht auskennen und nicht verstehen, wie sie funktionieren. Sie benötigen zuerst eine Einweisung in das Programm.

Doch auch die rein technischen Bedingungen können Schwierigkeiten aufweisen. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass die Internetverbindung an manchen Orten nicht sehr schnell ist. Dadurch könnte beispielsweise die Übertragung des Videos oder des Tons gestört werden. Es kann passieren, dass ein Gesprächspartner nicht oder schlecht zu sehen ist, oder seine Stimme nur in Bruchteilen übertragen wird, wodurch sie abgehackt klingt. Es kann auch zu sogenannten Rückkopplungen kommen, was laut pfeifende Geräusche verursachen würde. Auch kann die Stimme einen Hall verursachen oder aus anderen Gründen schlicht unverständlich sein. Die anderen Gesprächspartner müssen also noch intensiver zuhören und den anderen eventuell darum bitten, das Gesagte zu wiederholen. In einem Videochat-Programm wie Skype können die Gesprächspartner zwar auch geschriebene Nachrichten schreiben, doch das verursacht unter Umständen weitere Verwirrung, entweder in der Benutzung des Programms oder wiederum in der Übertragungsgeschwindigkeit. Schließlich kann somit eine Videokonferenz deutlich zeitaufwendiger sein, als persönlich vor Ort zu dolmetschen.

Und selbst, wenn die Technik reibungslos funktioniert und alle Gesprächspartner auf den Dienst zugreifen und diesen auch einwandfrei verwenden können, kann es immer noch zu weiteren Schwierigkeiten kommen. Wenn beispielsweise mehrere Personen an einem solchen Gespräch teilnehmen, kann es passieren, dass zwei oder mehr von ihnen gleichzeitig versuchen, etwas zu sagen. Die Auswirkung davon ist, dass niemand mehr etwas versteht, da die Stimmen bei jedem anderen Gesprächspartner aus dem gleichen Gerät, also den gleichen Lautsprechern ertönen und sich überschneiden. In einem persönlichen Umfeld ist es einem guten Dolmetscher möglich, gleichzeitig zuzuhören und zu sprechen. Doch auch professionelle Konferenzdolmetscher können meist nur einer Stimme gleichzeitig zuhören, da sie diese über Kopfhörer empfangen und die Übersetzung in ein Mikrofon sprechen. Gleichzeitig mehreren Stimmen aus dem gleichen Ausgabegerät zuzuhören, scheint also ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie sieht es nun mit dem Dolmetschen per Telefonkonferenz aus? Auch dort können technische Schwierigkeiten auftreten. Nicht jeder weiß, wie man ein Konferenzgespräch überhaupt macht. Und auch auf der technischen Ebene können Probleme wie unverständliche oder abgehackte Stimmen, Hintergrundgeräusche oder Tonstörungen auftreten. Hinzu kommt, dass sich die Gesprächspartner nicht sehen. Dadurch ist das Risiko, gleichzeitig zu sprechen, noch stärker gegeben. Außerdem ist ein Konferenzgespräch möglicherweise mit manchen Geräten gar nicht möglich. Unter Umständen muss diese Funktion auch zuerst vom Telefonanbieter freigeschaltet werden.

Um also auf die zu Anfang gestellte Frage zu antworten: Ja, Dolmetschen per Videochat oder Telefonkonferenz ist durchaus möglich – jedoch nicht ganz unkompliziert, und qualitativ nicht so hochwertig wie ein Dolmetscher, der persönlich und vor Ort zwischen den Gesprächspartnern vermittelt. Doch in dieser Corona-Krise bleibt wohl keine andere Wahl. Wenn ein Geschäft dringend abgeschlossen, oder eine Konferenz dringend gehalten werden muss, sind die Möglichkeiten dazu, rein theoretisch, durchaus gegeben.

Veröffentlicht in Lost in Translation DE.

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